19.11.2020 in Allgemein

Das Jahr 2020: Braucht das noch jemand oder kann das weg?

 

Corona ist wohl das bestimmende Thema dieses Jahres und es wird uns sicher noch eine Zeitlang begleiten. Das Jahr 2020 war durch die unterschiedlichsten Einschränkungen geprägt. Wir alle mussten auf das eine oder andere verzichten. Der Urlaub konnte nicht wie gewohnt stattfinden, der Besuch im Lieblingsrestaurant war nicht oder nur eingeschränkt möglich, die Mund- und Nasenbedeckung prägt das Bild nicht nur beim Einkaufen. Besonders schwer für die meisten wiegt aber vermutlich die Beschränkung der sozialen Kontakte. Ob auf Arbeit, beim Sport, im Freundes- oder großen Familienkreis, die vormals unbeschwerten Treffen sind mittlerweile überschattet vom geltenden Primat des „Abstandhaltens“.

Unser aller Verhalten hat sich in den letzten Monaten gezwungenermaßen verändert. Die einen fügen sich den Verordnungen, aus Einsicht, aus Rücksicht auf sich und ihre Liebsten oder in der Hoffnung, dass dadurch „der Spuk“ schnellstmöglich wieder vorbei ist. Andere empfinden die Verbote als Eingriffe in ihre individuelle Freiheit als das für sie geltende höchste Gut, zweifeln an der Effektivität der Maßnahmen, sehen Inkonsequenzen oder eine Unverhältnismäßigkeit zwischen dem gewünschten Ziel und den Kollateralschäden. Wieder andere versuchen die Widersprüche und offenen Fragen für ihre politischen Zwecke oder persönliche Profilierung zu nutzen.

Doch die Infektionszahlen steigen, ebenso wie jene der Intensivpatienten und der Corona-Toten – weltweit und in Deutschland. Wir werden wohl erst deutlich im Nachhinein wissen, ob und in welchem Umfang die Maßnahmen, die Deutschland zur Eindämmung der Pandemie gewählt hat, richtig, konsequent und verhältnismäßig waren – oder auch nicht. Wer möchte und kann dies ernsthaft zum jetzigen Zeitpunkt beurteilen?

Spaltung der Gesellschaft

Was wir aber beurteilen, sehen und verhindern können, ist eine weitere Spaltung der Gesellschaft. Diese bereitet mir persönlich fast noch mehr Sorge als das Corona-Virus und die Auswirkungen der einschränkenden Maßnahmen. Von Coron- Leugnern schlägt einem der blanke Hass entgegen, wenn man sich an Maßnahmen hält oder um die Einhaltung selbiger bittet. Busfahrer werden zusammengeschlagen, weil sie an die Einhaltung der Maskenpflicht erinnern.

18.03.2020 in Allgemein

Liebe Glienickerinnen und Glienicker

 
Mitmenschlichkeit und Solidarität zeigen

Ich schreibe diese Zeilen unter dem Eindruck der gerade geschlossenen Kitas, Schulen und Geschäfte. Das öffentliche Leben wird immer weiter heruntergefahren.
Aktuelle Informationen können Sie über die Homepage oder die Facebook-Seite der Gemeinde jederzeit abrufen.

„In der Krise beweist sich der Charakter.“ Dieser Ausspruch wurde von unserem ehemaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt geprägt. Charakterstärke und Menschlichkeit ist das, was wir jetzt brauchen. Wir alle haben Einschränkungen im täglichen Leben in der letzten Zeit erfahren. Die wirtschaftlichen Folgen, gerade für Gewerbetreibende und Freiberufler, sind noch nicht absehbar.

Doch in der derzeitigen Situation geht es vor allem erstmal darum, so viele Leben wie möglich zu retten, indem die Geschwindigkeit der Ausbreitung des Virus verlangsamt wird.

Drastische und sofortige Einschnitte in unserem täglichen sozialen Leben und unserem Berufsalltag sind notwendig. Auf alte Gewohnheiten wie Umarmungen, den Begrüßungskuss, das Händeschütteln müssen wir eine Zeit lang verzichten.

Worauf wir nicht verzichten müssen, sind Mitmenschlichkeit und Solidarität. Mitmenschlichkeit, indem wir Rücksicht aufeinander nehmen. Solidarität, indem wir unsere Nachbarn, die vielleicht zu den besonders gefährdeten Personengruppen gehören, unterstützen. Nachbarschaftshilfe durch Hilfe beim Einkaufen oder auch Kinderbetreuung sind auch jetzt möglich.

Mich hat die große Hilfsbereitschaft, zum Beispiel in den entsprechenden Gruppen auf Facebook, sehr beeindruckt. Ich wünsche mir und uns allen, dass wir in diesen Zeiten weiterhin und besonders zusammenhalten!

Ihr

Uwe Klein

28.01.2020 in Allgemein

Ist ein Liederabend ein angemessenes Gedenken?

 

Vor 75 Jahren wurde das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau von der Roten Armee befreit. Seit 1996 begeht Deutschland den Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, der durch Proklamation des Bundespräsidenten Roman Herzog eingeführt wurde.

Die Gemeinde Glienicke/Nordbahn ignorierte in diesem Jahr den Gedenktag. Ein Gedenken, beispielsweise mit Schülern des Neuen Gymnasium Glienicke (NGG) wie in den Vorjahren fand nicht statt. Das Gedenken zum 75. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz-Birkenau reduzierte sich auf die Teilnahme an einem Liederabend, den der Verein Nordbahngemeinden mit Courage in der Kirche in Schildow veranstaltete. Sicher, auch der Glienicker Bürgermeister ist Schirmherr des Vereins, aber ein Gedenken sieht für mich anders aus.

Nach einer kurzen Begrüßung durch den Pfarrer führte der Vorsitzende des Vereins kurz ins Thema ein. In der bis auf den letzten Platz belegten Schildower Kirche durften die Anwesenden einen schönen Liederabend mit Bettina Wegner, Karsten Troyke und Jens Peter Kruse erleben. Zu Recht flammte tosender Beifall immer wieder auf, denn diese drei Künstler sind auch für mich Ausnahmekünstler. Gerade auch Bettina Wegner hat eine klare politische Haltung in ihren Liedern.

Doch ist ein, wenn auch teilweise politischer, Liederabend wirklich ein Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus?

Ist ein politischer Liederabend, in dem die schier unglaubliche Menschenverachtung der Nationalsozialisten zur Nebensache verkommt, das, was wir unter Gedenkkultur verstehen? Ich bin Bettina Wegner und Karsten Troyke dankbar, dass wenigsten von ihnen das eine oder andere Wort in diese Richtung fiel. Denn auch zwischen den Liedern gab es leider keinerlei Wortbeiträge, Gedichte oder Beiträge, die inhaltlich auf das Gedenken selbst eingingen.

In seiner Proklamation zur Einführung des Tags des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus führte Herzog seinerzeit aus: „Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen. Es ist deshalb wichtig, nun eine Form des Erinnerns zu finden, die in die Zukunft wirkt. Sie soll Trauer über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedenken an die Opfer gewidmet sein und jeder Gefahr der Wiederholung entgegenwirken.“

In einer Zeit, in der Antisemitismus und das Ausgrenzen von Minderheiten in Deutschland wieder salonfähig zu werden scheinen, ist ein Liederabend aus meiner Sicht kaum ein würdiges Gedenken, das in die Zukunft wirkt.

In einer Zeit, in der andersdenkende oder vermeintliche Minderheiten angefeindet und ausgegrenzt werden, ist ein Liederabend aus meiner Sicht kaum ein würdiges Gedenken, das in die Zukunft wirkt.

Wir brauchen ein Gedenken, das die Aufmerksamkeit darauf richtet, dass menschenverachtende Worte und Taten verurteilt und sanktioniert werden. Und dass dies eine Aufgabe jedes Einzelnen von uns ist. Denn das sind wir nicht nur allen Opfern des Zweiten Weltkrieges schuldig, sondern auch unseren Kindern, die in Frieden aufwachsen und sich für eben jenen Frieden einsetzen sollen.

Wir brauchen ein Gedenken, das das Andenken an die Millionen Opfer bewahrt. Ein in die Zukunft gerichtetes Gedenken, um zu verhindern, dass Menschen anderen Menschen je wieder so unfassbares Leid antun.

So schön dieser Liederabend gewesen sein mag, ein Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus sieht für mich anders aus.

23.12.2019 in Allgemein

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