Leserbrief an den Oranienburger Generalanzeiger

Veröffentlicht am 02.01.2017 in Allgemein

Leider wurde mein Leserbrief vom OGA nicht veröffentlicht, deshalb hier als Beitrag:

Mehr Busse zur Gedenkstätte?

Echter Missstand oder inszenierter Skandal?

„OVG brüskiert Gedenkstätte erneut“, titelt der Oranienburger Generalanzeiger in seiner Ausgabe vom 22. Dezember auf dem Titelblatt. Im Artikel selbst heißt es, der Leiter der Gedenkstätte Sachsenhausen Günter Morsch „fühle sich erneut brüskiert“ durch den aus seiner Sicht ergebnislosen Verlauf des Gesprächs mit dem stellvertretenden Landrat Egmont Hamelow und dem Geschäftsführer der Oberhavel Verkehrsgesellschaft (OGV), Klaus-Peter Fischer.

Beim Lesen konnte ich mich des Gefühls nicht erwehren, dass der Autor des Artikels, Klaus Grote, erneut versucht, vielmehr seine persönliche Meinung zum Thema unter die Leserschaft zu bringen oder durch Skandalisierung die Auflage zu steigern, anstatt neutral über ein Thema zu berichten.

Was sind die Fakten? Im Sommer 2015 hatte der Landkreis Oberhavel die Kommunen dazu aufgefordert, ihre Stellungnahmen zum Nahverkehrsplan 2017-2021 abzugeben. Ob die Stadt Oranienburg eine Stellungnahme abgegeben hat oder nicht, dazu konnte man in den Artikeln Grotes in den letzten Wochen unterschiedliche Aussagen lesen. Mal wurde die Stadt angeblich nicht beteiligt, mal äußerte der Baudezernent das Problem mit der Gedenkstättenanbindung direkt gegenüber OVG-Chef Fischer.

Kurz vor der Abstimmung des mittlerweile fertig gestellten und vom Kreistag beschlossenen  Entwurfs zum Nahverkehrsplan im November 2016 im Kreistag dann der „Skandal“: Gedenkstättenleiter Günter Morsch überbringt 14.127 Unterschriften für eine bessere Busanbindung an den OVG-Chef. Unangemeldet. Dafür in Begleitung des Pressesprechers der Gedenkstätte, eines hochrangigen Vertreters des Internationalen Sachsenhausen Komitees und eines Fotografen, der just in dem Moment ein Foto macht, als der OVG-Chef den Kopf aus der Tür seines Besprechungsraums steckt. Einen Fotonachweis sucht man im dazugehörigen Artikel Grotes leider vergeblich. Die unprofessionelle, aber menschlich nachvollziehbare Reaktion Fischers auf diese Aktion wird von der Gedenkstättenleitung und dem Journalisten schließlich zum Anlass genommen, einen „Skandal“ zu inszenieren.

Dem Gedenkstättenleiter ist in der Sache dabei noch nicht einmal ein Vorwurf zu machen. Er weiß offensichtlich, wie man mit medialen Inszenierungen Interessen politisch durchsetzen kann. Von einem Journalisten erwarte ich allerdings, dass er nachdenkt, bevor er sich für solche Inszenierungen instrumentalisieren lässt und vor allem erwarte ich, dass er neutral bleibt und diese Inszenierungen nicht noch aktiv mitgestaltet, so wie es Klaus Grote mit seiner Berichterstattung tut.

In der letzten Kreistagssitzung habe ich deutlich gemacht, dass ich mich als Kreistagsabgeordneter von dieser Art Berichterstattung nicht unter Druck setzen lasse. Das heißt nicht, dass wir Kreistagsabgeordneten die Bedeutung der Gedenkstätte nicht zu würdigen wüssten und es heißt auch nicht, dass wir uns keine Lösung für eine bessere Anbindung wünschen würden. Dazu wäre es aber sehr hilfreich, erstens die Debatte zu versachlichen, wozu Herr Grote leider nicht beiträgt, und zweitens alle Beteiligten, das heißt auch die Stadt Oranienburg, an einen Tisch zu holen. Denn eine Lösung gibt es nur gemeinsam mit der Stadt Oranienburg. Und auch die Fahrgastzählung ist ein Schritt in die richtige Richtung, denn ich für meinen Teil treffe politische Entscheidung auf der Grundlage von Fakten und nicht auf der Grundlage von Presseartikeln.

23.12.2016

Uwe Klein
Kreistagsabgeordneter und stellv. Vorsitzender im Nahverkehrsbeirat des Kreistags Oberhavel

 
 

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