
Alle Fraktionen der Gemeindevertretung schließen sich Imitative der SPD-Fraktion an
Auf unsere Initiative hin, hat die Gemeindevertretung heute Abend einstimmig beschlossen, sich schriftlich an die OVG, den Landrat des Landkreises Oberhavel und den Kreistag Oberhavel zu wenden. Die Reduzierung der Bustaktung muss kurzfristig zurückgenommen werden.
Ich freue mich sehr, dass sich alle Fraktionen unserem Vorschlag angeschlossen haben und es somit zu einem gemeinsamen Antrag wurde.
Der Beschluss in Wortlaut:
Die Gemeindevertretung beschließt, sich schriftlich, wegen der Taktreduzierung auf der Linie 806, an die Oberhavel Holding Besitz- und Verwaltungsgesellschaft mbH (OVG), den Landrat des Landkreises Oberhavel sowie an den Kreistag Oberhavel zu wenden.
Entwurf des Briefes:
Anrede,
die Gemeinde Glienicke/Nordbahn bedauert ausdrücklich die Taktreduzierung auf der Linie 806. Am 27.08.2024 teilte uns die OVG mit: „…Ab 2. September können wir auf der Strecke zwischen Schildow, Kirche und S-Bahnhof Hermsdorf vorerst keinen 10 Minuten-Takt anbieten. Aufgrund der angespannten Personalsituation wird der Bus montags bis freitags stattdessen im 20 Minuten-Takt fahren …“ Bereits am 19.08.2024 wurde mitgeteilt, dass die Linie 809 zukünftig am S-Bahnhof Frohnau endet und nicht mehr wie bisher am S-Bahnhof Hermsdorf. Begründet wurde dies so: “ Dadurch können die Fahrzeiten auf der Route von Hennigsdorf über Stolpe, Hohen Neuendorf und Bergfelde nach Frohnau besser eingehalten werden. Im neuen Fahrplan sind die Anschlüsse zur S-Bahn in Hennigsdorf, Hohen Neuendorf und Frohnau weitgehend umgesetzt. (…) Wir reagieren damit auf Kapazitätsengpässe vergangener Schuljahre, denn besonders Schülerinnen und Schüler haben nun mehr Möglichkeiten, mit dem Bus zur Schule zu kommen …“
Selbstverständlich haben wir Verständnis, wenn es aus Gründen des Fachkräftemangels immer schwerer wird, einen angemessenen ÖPNV sicherzustellen.
Für uns ist es allerdings unverständlich, wenn auf diversen Strecken in Oberhavel Verbesserungen eingerichtet werden und dies mit einer Verbesserung des Angebotes begründet wird, während gleichzeitig das Angebot auf der Linie 806, welches im Nahverkehrsplan festgeschrieben ist, reduziert wird.
Beispiele:
- Linie 801: Zusätzliche Fahrten am Morgen und Vormittag zur Verbesserung des Gesamtangebots.
- Linie 814: Zusätzliche Fahrten am Nachmittag zur Verbesserung des Angebots.
Die Gemeinde Glienicke/Nordbahn hat über mehrere Jahre den Bedarf für die Buslinie zwischen den Haltestellen Schildow Kirche und dem S-Bahnhof Frohnau nachgewiesen. Entsprechend wurde diese Linie in den Nahverkehrsplan Oberhavel aufgenommen. Massive Einschränkungen mussten durch den Bau der Straßenbrücke zwischen Schildow und Glienicke in Kauf genommen werden. Der gut genutzte, so genannte „Kiezbus“, konnte nicht mehr verkehren. Nach Fertigstellung der erhofften sich die Bürger:innen, dass der Bus wieder regelmäßig verkehrt. Dies ist leider nicht der Fall. Wir haben ein großes Interesse daran, den motorisierten Individualverkehr in unserer Gemeinde zu reduzieren, indem wir die Attraktivität des Öffentlichen Personennahverkehrs fördern. Diese erneuten Einschränkungen auf der Linie 806 werden wieder zu einer Reduzierung der Fahrgastzahlen führen und ist ein Rückschlag für unser Bestreben den motorisierten Individualverkehr zu reduzieren.
Mit der ebenfalls zum 2. September in Kraft getretenen veränderten Linienführung, dass beide Verbindungen der Linie 806 am S-Bahnhof Hermsdorf enden und nur die Linie 809 zu S-Bahnhof Frohnau fährt, wurde das ÖPNV-Angebot weiter für Glienicke deutlich verschlechtert. Für große Teile Glienickes gibt es somit keine direkte Verbindung nach Frohnau mehr, denn es erfordert jetzt einen Umstieg an der Haltestelle Glienicke, Kirche. Die jetzigen Anschlusszeiten sind bestenfalls suboptimal.
Wir erlauben uns aus dem „Gesetz über den öffentlichen Personennahverkehr im Land Brandenburg (ÖPNV-Gesetz - ÖPNVG)“ zu zitieren:
§ 2 (2) Der öffentliche Personennahverkehr soll der Verbesserung der Mobilität der Bevölkerung, der Herstellung gleichwertiger Lebensbedingungen, dem Umweltschutz und der Verkehrssicherheit dienen. Er soll so gestaltet werden, dass er eine attraktive Alternative zum motorisierten Individualverkehr darstellt. Durch Steigerung der Leistungsfähigkeit und Attraktivität des öffentlichen Personennahverkehrs soll der motorisierte Individualverkehr, insbesondere in und zwischen Verdichtungsräumen zurückgeführt, zumindest aber ein weiterer Anstieg verhindert werden.
§ 2 (8) Das Leistungsangebot des öffentlichen Personennahverkehrs ist grundsätzlich nachfrageorientiert zu gestalten. In verkehrlich hoch belasteten Gebieten kann auch ein über die Nachfrage hinausgehendes Leistungsangebot vorgesehen werden. In ländlichen Räumen soll eine angemessene Bedienung mit Leistungen des öffentlichen Personennahverkehrs gewährleistet werden.
Dass es sich in unserem Gebiet um einen, durch den motorisierten Individualverkehr hoch belasteten Verdichtungsraum handelt, ist sicher unstrittig.
Vor diesem Hintergrund bitten wir dringend und zeitnah:
- Um die kurzfristige Rücknahme der Taktreduzierung auf der Linie 806.
- Die Rücknahme der veränderten Endhaltestellen auf den beiden Linien 806 und die
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- Wiederherstellung der beiden Endhaltestellen Frohnau und Hermsdorf
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- Um Berücksichtigung der durch diese Maßnahmen reduzierten Fahrgastzahlen bei der Überprüfung der Fahrgastzahlen gemäß Vorgabe aus dem Nahverkehrsplan