Bauernhof retten. Natürlich, aber…

Veröffentlicht am 20.05.2023 in Allgemein

von Uwe Klein

In einem Punkt herrscht in Glienicke Konsens. Der denkmalgeschützte Bauernhof am Dorfteich soll saniert und erhalten bleiben. Doch bei der Frage, wie dies erreicht werden soll, ist es dann auch schon vorbei mit dem Konsens.

Kaufoption durch die Gemeinde Glienicke/Nordbahn

Um über alle bestehenden Möglichkeiten diskutieren zu können, und hierzu zählt auch der Kauf und die Sanierung durch die Gemeinde Glienicke/Nordbahn, hatte die SPD-Fraktion zur Sitzung der Gemeindevertretung am 25. Januar 2022 einen entsprechenden Antrag eingebracht. Mit diesen sollte der Bürgermeister beauftragt werden, „mit dem Eigentümer des ‚Bauernhofs Müller‘, Gartenstraße 17, Gespräche über die Möglichkeit und ggf. die Konditionen eines Ankaufs durch die Gemeinde Glienicke/Nordbahn zu sprechen. Das Ergebnis dieser Prüfung soll im Hauptausschuss diskutiert und der Gemeindevertretung anschließend vorgelegt werden.“

Die Diskussion in der Gemeindevertretung hatte uns dann allerdings überrascht. So wollten drei Mitglieder der Gemeindevertretung zunächst wissen, „was die Verwaltung mit dem Bauernhof vorhat, bevor über einen Ankauf nachgedacht wird.“ Genau dieselben sind es, die jetzt dem Investor vorschreiben wollen, wie der Bauernhof zukünftig genutzt werden soll… Andere wiederum spielten auf begrenzte Ressourcen an. So wies ein CDU-Gemeindevertreter „auf das Projekt Haus 6 der Grundschule hin und rät von der Eröffnung zu vieler Projekte ab“, wie es im Protokoll heißt.

Für die SPD-Fraktion ist es keine Option, dass der ortszentrumsprägende Bauernhof am Dorfteich weiter dem Verfall preisgegeben wird. Entweder die Gemeinde macht es selbst und kann dann auch alles entscheiden. Oder man lässt machen, muss dann aber die eine oder andere Kröte schlucken. In jedem Fall müssen wir zeitnah eine Entscheidung treffen, denn mit jedem Tag verfällt das Ensemble weiter.

Gestaltung des Areals

Insgesamt sind die Möglichkeiten einer Gemeinde, einem privaten Eigentümer Vorschriften machen zu können, begrenzt. Da der private Eigentümer des Bauernhofes aber einen Bebauungsplan benötigt, sind wir, im begrenzten Umfang, in einer guten Verhandlungsposition.

Bedingungen von Seiten der SPD-Fraktion:

So wichtig wie uns der Erhalt des Bauernhofes ist, ist dieser mit uns nicht zu jedem Preis machbar. Wir haben unsere Zustimmung zu den Wünschen des Investors an die Erfüllung nachfolgender Punkte geknüpft:

  • Die Grünfläche zwischen dem Bauernhof und der Kita darf nicht bebaut werden.
  • Eine Bebauung entlang der Hattwichstraße / hinter dem Bauernhof muss maßvoll geschehen und darf das prägende Bild des Bauernhofensembles nicht stören.
  • Die Sanierung des denkmalgeschützten Bauernhofes muss zeitlich vor der geplanten Wohnbebauung hinter dem Bauernhof geschehen.
  • Eine öffentliche Nutzung im Bereich des Bauernhofes ist sicherzustellen/keine reine Wohnnutzung.
  • Die Interessen der Gemeinde Glienicke/Nordbahn sind mit einem städtebaulichen Vertrag abzusichern.

Eigentümer zeigt sich kooperativ

Da die Mehrheit der Glienicker Gemeindevertretung nicht bereit gewesen ist, einen Ankauf des Bauernhofes auch nur zu prüfen, sind wir für den Erhalt des Bauernhofes auf die Kooperation des Eigentümers angewiesen. Und dieser hat sich stets gesprächsbereit gezeigt. So hat er beispielsweise die vorgesehene Neubaubebauung hinter dem Bauernhof bereits um 28 Prozent reduziert.

Bürgerversammlung zur Nutzung des Bauernhofes

Weiterhin hat der Eigentümer zugesagt, dass er, nachdem der Aufstellungsbeschluss für das Bebauungsplanverfahren durch die Gemeindevertretung erfolgt ist, zu einer öffentlichen Bürgerversammlung zur Nutzung des Hofes einladen wird.

Endlich anfangen!

Zwischenzeitlich zeichnet sich in der Gemeindevertretung eine Mehrheit aus CDU, FDP und SPD für den derzeitigen Entwurf des Eigentümers ab.

Wenn alle rechtliche Fragen geklärt und unsere oben genannten Bedingungen garantiert sind, könnte der Aufstellungsbeschluss zum Bebauungsplan in einer Sondersitzung der Gemeindevertretung Ende Juni endlich auf den Weg gebracht werden.

Dann haben alle Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, Stellung zu dem vorgelegten Entwurf zu nehmen. Der Umweltausschuss der Gemeindevertretung muss sich dann mit allen eingegangenen Anregungen beschäftigen.

 

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